La Dolce Vita sagt „Ja!“ – So feiern die Italiener Hochzeit

Wer glaubt, eine italienische Hochzeit bestehe nur aus Pizza, Pasta und Prosecco, liegt ungefähr so falsch wie jemand, der behauptet, eine deutsche Hochzeit ende pünktlich um 22 Uhr. Eine Hochzeit in Italien ist ein Fest für alle Sinne – laut, herzlich, emotional, manchmal chaotisch und vor allem: unglaublich gesellig.

Während in Deutschland häufig minutiös geplant wird und ein Zeitplan fast so wichtig ist wie das Brautkleid, gilt in Italien eher das Motto: Wenn alle glücklich sind, läuft alles nach Plan. Und genau das macht den besonderen Charme italienischer Hochzeiten aus.

Die Vorfreude beginnt lange vorher

Eine italienische Hochzeit ist selten nur ein Tag. Schon Wochen vorher wird diskutiert, organisiert und telefoniert. Die Familie spielt dabei eine zentrale Rolle. Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen – alle haben eine Meinung. Und meistens äußern sie diese auch.

Nicht selten umfasst die Gästeliste weit über 150 Personen. Schließlich möchte niemand die Großtante zweiten Grades beleidigen, die man zwar nur alle fünf Jahre sieht, die aber trotzdem selbstverständlich eingeladen wird.

Die Kirche hat noch einen hohen Stellenwert

Obwohl Italien moderner geworden ist, entscheiden sich viele Paare noch immer für eine kirchliche Trauung. Die katholische Kirche prägt das Land seit Jahrhunderten, und entsprechend feierlich laufen viele Zeremonien ab. Die Braut erscheint traditionell etwas später als der Bräutigam – allerdings nicht aus übertriebener Pünktlichkeitsverweigerung, sondern weil ein kleines bisschen Spannung einfach dazugehört.

Während der Zeremonie geht es oft deutlich emotionaler zu als in Deutschland. Es wird gelacht, geweint, geklatscht und manchmal sogar spontan mitgesungen.

Reis? Natürlich!

Kaum verlassen Braut und Bräutigam die Kirche, beginnt das erste kleine Spektakel. Die Gäste werfen Reis über das frisch vermählte Paar. Der Brauch soll Fruchtbarkeit, Wohlstand und Glück symbolisieren. Heute kommen je nach Region auch Blütenblätter, Lavendel oder biologisch abbaubares Konfetti zum Einsatz. Manche italienischen Hochzeiten wirken beim Auszug fast wie der Zieleinlauf eines Radrennens – überall jubelnde Menschen, Kameras und fliegende Reiskörner.

Zeit spielt plötzlich keine Rolle mehr

Wer als Deutscher eine italienische Hochzeit besucht, sollte eines möglichst schnell lernen: Die Uhr verliert an Bedeutung. Zwischen Trauung und Feier können durchaus mehrere Stunden liegen. Während das Brautpaar Fotos macht, genießen die Gäste einen Aperitif oder unterhalten sich entspannt. Niemand fragt nach dem Zeitplan. Niemand schaut nervös auf die Uhr. Und niemand beschwert sich, wenn das Essen eine Stunde später beginnt als angekündigt.

Essen ist keine Nebensache – sondern das eigentliche Ereignis

Jetzt wird es ernst. Während bei vielen deutschen Hochzeiten nach Mitternacht Currywurst oder Mitternachtssuppe serviert wird, beginnt in Italien oft erst jetzt das kulinarische Feuerwerk. Ein italienisches Hochzeitsmenü besteht nicht aus drei Gängen. Fünf Gänge gelten eher als Untergrenze.

Oft folgen:

  • zahlreiche Antipasti

  • Primo Piatto (Pasta oder Risotto)

  • Secondo Piatto (Fleisch oder Fisch)

  • Beilagen

  • Käse

  • Dessert

  • Hochzeitstorte

  • Obstbuffet

  • Espresso

  • Digestif

Zwischen den Gängen wird gelacht, geredet, getanzt und selbstverständlich Wein getrunken. Und kaum denkt man, jetzt müsste Schluss sein, erscheint plötzlich noch ein weiterer Teller.

Die berühmte Bomboniera

Ein typisch italienischer Hochzeitsbrauch ist die sogenannte Bomboniera. Dabei handelt es sich um ein liebevoll gestaltetes Gastgeschenk. Fast immer enthält sie fünf gezuckerte Mandeln. Warum genau fünf? Jede Mandel steht symbolisch für einen Wunsch:

  • Gesundheit

  • Glück

  • Wohlstand

  • Fruchtbarkeit

  • ein langes Leben

Die ungerade Anzahl soll zudem verdeutlichen, dass die Verbindung des Paares unteilbar ist.

Musik bis tief in die Nacht

Italiener brauchen keine große Aufforderung zum Feiern. Nach dem Essen beginnt die Party – und die kann problemlos bis in die frühen Morgenstunden dauern.

Livebands sind besonders beliebt. Gespielt werden italienische Klassiker ebenso wie internationale Hits. Irgendwann landet fast jeder Gast auf der Tanzfläche. Selbst die Großmutter tanzt häufig noch begeistert mit, während der Onkel bereits zum dritten Mal „Volare“ anstimmt.

Geldgeschenke? Aber natürlich.

Auch in Italien schenken viele Gäste Geld. Oft wird es elegant in einem Umschlag überreicht oder direkt für die Hochzeitsreise bestimmt. Manchmal steht sogar eine dekorative Box bereit, in der die Umschläge gesammelt werden.

Die Hochzeitstorte kommt spät

Wer deutsche Hochzeiten kennt, wundert sich häufig über den Zeitpunkt der Torte. In Italien erscheint sie oft erst gegen Mitternacht oder sogar später. Sie bildet den feierlichen Höhepunkt des Abends. Anschließend folgen häufig noch Kaffee, Liköre und weitere kleine Süßigkeiten – als hätte vorher niemand gegessen.

Regionale Unterschiede – Italien ist nicht gleich Italien

Norditalien

Im Norden – etwa in der Lombardei, Venetien oder Südtirol – wirken Hochzeiten häufig etwas eleganter und zurückhaltender. Das Menü orientiert sich stärker an regionalen Spezialitäten wie Risotto, Polenta oder feinen Fischgerichten. Die Feiern enden meist etwas früher als im Süden.

Mittelitalien

In der Toskana oder Umbrien steht die romantische Landschaft im Mittelpunkt. Viele Paare heiraten auf historischen Weingütern oder Landgütern zwischen Olivenbäumen und Weinreben. Rustikale Eleganz trifft hier auf hervorragenden Wein und lange Tafeln unter freiem Himmel.

Süditalien

Jetzt wird es temperamentvoll. In Kampanien, Apulien, Kalabrien oder Sizilien wird groß gefeiert. Sehr groß. 200 bis 300 Gäste sind keine Seltenheit. Die Musik ist lauter, das Essen noch üppiger und die Familienverbundenheit besonders ausgeprägt. Hier wird oft bis zum Sonnenaufgang getanzt.

Sardinien und Sizilien

Auf den Inseln leben viele jahrhundertealte Traditionen weiter. Je nach Dorf werden noch regionale Trachten getragen oder traditionelle Volksmusik gespielt. Manche Hochzeiten gleichen kleinen Dorffesten, bei denen gefühlt jeder Einwohner irgendwie dazugehört.

Und wie unterscheidet sich das von einer deutschen Hochzeit?

Die größten Unterschiede fallen sofort auf. In Deutschland steht häufig eine perfekte Organisation im Mittelpunkt. Jeder Programmpunkt ist geplant, Spiele sind vorbereitet und der Zeitplan hängt manchmal sogar aus. In Italien dagegen entwickelt sich vieles ganz natürlich. Das Essen dauert deutlich länger. Die Gäste bleiben entspannter. Familien sind oft stärker eingebunden. Die Feier ist weniger ein Event als vielmehr ein gemeinsames Erlebnis. Während deutsche Hochzeiten häufig gegen Mitternacht langsam ausklingen, erreicht eine italienische Feier zu dieser Uhrzeit oft erst ihren Höhepunkt.

Das Wichtigste bleibt überall gleich

Ob in Dresden, Rom oder Palermo – am Ende geht es bei jeder Hochzeit um dasselbe: Zwei Menschen sagen Ja zueinander. Die Italiener schaffen es allerdings, dieses Ja mit einer Extraportion Lebensfreude zu feiern. Vielleicht ist genau das das Geheimnis. Nicht jeder Programmpunkt muss perfekt sein. Nicht jeder Zeitplan eingehalten werden. Nicht jede Serviette exakt gefaltet sein. Wenn gemeinsam gelacht, gegessen, getanzt und auf das Brautpaar angestoßen wird, entsteht genau das, was eine Hochzeit unvergesslich macht.

Oder wie die Italiener sagen würden:

La vita è bella – besonders, wenn man sie gemeinsam feiert.

brautmaid.de
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