Warum immer mehr Bräute sich am Hochzeitstag umziehen
Es gibt diesen einen Moment auf einer Hochzeit, in dem die Braut plötzlich mit einem völlig anderen Kleid aus dem Badezimmer kommt. Eben noch stand sie in einer traumhaften Robe mit Schleppe, Spitze und allem, was dazugehört, vor dem Traualtar. Und jetzt? Ein kurzes Kleid, vielleicht ein bisschen Glitzer, dazu bequeme Schuhe und ein Gesichtsausdruck, der eindeutig sagt: Jetzt wird gefeiert! Der sogenannte Second Look ist längst mehr als eine kleine Marotte prominenter Bräute. Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, ihren Hochzeitstag nicht nur in einem einzigen Outfit zu verbringen. Und wenn man einmal darüber nachdenkt, ist das eigentlich ziemlich logisch. Schließlich trägt man ja auch nicht das Ballkleid vom Abiball, um anschließend damit Möbel aufzubauen. Warum also sollte man im aufwendigsten Brautkleid des Lebens bis vier Uhr morgens auf der Tanzfläche durchhalten?
Ein Kleid für das Ja-Wort, eins für die Party
Das klassische Brautkleid hat eine ziemlich wichtige Aufgabe. Es soll beim Einzug für Gänsehaut sorgen, auf den Hochzeitsfotos fantastisch aussehen und diesen einen Moment unvergesslich machen. Dafür darf es ruhig etwas opulenter sein. Spitze, Perlen, lange Schleppen, voluminöse Röcke und raffinierte Details haben schließlich ihren großen Auftritt verdient. Nur: Was am Nachmittag beim Gang zum Altar wunderschön aussieht, kann sich am Abend als sportliche Herausforderung entpuppen. Eine drei Meter lange Schleppe ist beispielsweise eine wunderbare Sache, solange sie nicht unter zwölf Paar Tanzschuhen verschwindet. Und ein eng geschnürtes Korsett mag die Silhouette betonen, ist aber spätestens nach dem Hochzeitsmenü mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert nicht unbedingt der beste Freund des eigenen Wohlbefindens. Hier kommt der zweite Look ins Spiel. Er übernimmt gewissermaßen die Nachtschicht, während das große Brautkleid wohlverdient in die Garderobe wandert. Das Abendoutfit darf kürzer, leichter, frecher und vor allem bewegungsfreundlicher sein. Manche Bräute entscheiden sich für ein schlichtes Satinkleid, andere für einen Jumpsuit oder ein glitzerndes Minikleid. Auch Zweiteiler mit Rock und Top sind beliebt. Erlaubt ist, was gefällt. Und was sich beim Tanzen nicht ständig in den Knien verfängt.
Vom Prinzessinnenmoment zur Tanzflächenkönigin
Der Reiz des zweiten Outfits liegt nicht allein im praktischen Nutzen. Es geht auch um einen kleinen Stilwechsel, der dem Hochzeitstag eine neue Dynamik verleiht. Tagsüber darf es romantisch und elegant sein. Vielleicht trägt die Braut einen klassischen Schleier, zarte Spitze und einen ausladenden Rock. Am Abend wird daraus ein moderner, selbstbewusster Look mit Statement-Ohrringen, offenem Haar und vielleicht sogar Sneakern. Das ist ein bisschen wie ein Kostümwechsel im Theater. Nur dass die Hauptdarstellerin diesmal selbst entscheidet, wann der zweite Akt beginnt. Besonders schön ist, dass der zweite Look nicht zwingend völlig anders aussehen muss. Wer sich tagsüber für ein schlichtes, modernes Brautkleid entscheidet, kann den Stil am Abend mit einem kurzen Kleid aus demselben Material aufgreifen. Auch ein Wechsel von langen Ärmeln zu einem trägerlosen Oberteil oder von einem schweren Rock zu einer fließenden Silhouette kann bereits einen großen Unterschied machen. Manchmal reicht sogar ein abnehmbarer Rock, unter dem sich ein kürzeres Kleid verbirgt. Ein Handgriff, ein bisschen Staunen bei den Gästen und schon ist die Braut bereit für den nächsten Programmpunkt. Wobei man fairerweise sagen muss: Nicht jede Hochzeit braucht einen spektakulären Überraschungsmoment. Wer lieber den ganzen Tag im selben Kleid verbringen möchte, darf das natürlich tun. Schließlich ist es die eigene Hochzeit und keine Modenschau mit festgelegtem Ablaufplan.
Welche Braut trägt eigentlich zwei Kleider?
Ziemlich viele unterschiedliche Bräute. Es gibt nicht den einen Typ Frau, für den sich ein zweites Outfit eignet. Manche träumen seit ihrer Kindheit von einem großen, romantischen Hochzeitskleid und möchten diesen Traum beim Ja-Wort unbedingt verwirklichen. Gleichzeitig wissen sie genau, dass sie später auf der Tanzfläche nicht mit einer ausladenden Schleppe herumhantieren wollen. Andere entscheiden sich ganz bewusst für zwei unterschiedliche Stilrichtungen. Am Nachmittag klassisch und zurückhaltend, am Abend mutig und glamourös. Wieder andere möchten einfach die Gelegenheit nutzen, ein zweites Kleid zu tragen, das ihnen ebenfalls gefällt. Und dann gibt es noch die pragmatischen Bräute. Sie haben keine Lust, den ganzen Abend aufzupassen, dass niemand auf ihren Rock tritt, und möchten sich beim Tanzen frei bewegen können. Auch das ist ein vollkommen überzeugender Grund. Der zweite Look muss übrigens nicht immer ein Kleid sein. Ein eleganter Hosenanzug, ein weißer Jumpsuit oder eine Kombination aus Hose und Corsagentop können genauso festlich wirken. Gerade bei modernen Hochzeiten, bei denen die Braut ohnehin ihren eigenen Stil lebt, sind solche Alternativen eine schöne Möglichkeit, Persönlichkeit zu zeigen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Outfitwechsel?
Eine feste Regel gibt es nicht. Viele Bräute wechseln nach dem Essen, wenn die offiziellen Programmpunkte weitgehend erledigt sind und die Feier langsam in Richtung Party geht. Andere warten bis nach dem Hochzeitstanz, damit die ersten Bilder noch im großen Brautkleid entstehen können. Wer einen zweiten Look plant, sollte sich vorher überlegen, welche Momente unbedingt im ersten Outfit festgehalten werden sollen. Dazu gehören häufig die Trauung, der Sektempfang, das Paarshooting und die ersten Gruppenfotos. Auch der Eröffnungstanz ist für viele ein besonderer Augenblick, den sie gern noch im ursprünglichen Brautkleid erleben möchten. Der Wechsel selbst sollte möglichst unkompliziert sein. Ein Kleid, für das man zwanzig Minuten und drei helfende Hände benötigt, ist nicht unbedingt ideal, wenn die Gäste bereits auf die Tanzfläche strömen. Am besten reserviert man sich einen ruhigen Raum, in dem Kleid, Schuhe und Accessoires bereitliegen. Eine vertraute Person kann beim Umziehen helfen, während die Fotografin oder der Fotograf den Moment vielleicht sogar für ein paar spontane Bilder nutzt. Wichtig ist auch, den Zeitplan nicht zu eng zu gestalten. Niemand möchte den halben Abend damit verbringen, auf die Rückkehr der Braut zu warten. Fünf bis zehn Minuten reichen bei einem unkomplizierten Outfitwechsel oft aus. Bei aufwendigen Frisuren, Korsetts oder mehreren Accessoires sollte man etwas mehr Zeit einplanen. Und noch ein kleiner Tipp aus der Kategorie „Das hätte man vorher wissen können“: Probiert das zweite Outfit unbedingt mit den vorgesehenen Schuhen an. Ein Kleid, das im Stehen perfekt sitzt, kann beim Tanzen plötzlich eine ganz eigene Vorstellung von Bewegungsfreiheit entwickeln.
Was kostet der Spaß?
Natürlich ist ein zweites Outfit eine zusätzliche Ausgabe. Wie hoch diese ausfällt, hängt ganz davon ab, was die Braut sich vorstellt. Ein schlichtes weißes Kleid aus einer regulären Modekollektion kann vergleichsweise günstig sein. Für einen hochwertigen Jumpsuit, ein Designerstück oder ein speziell angefertigtes Abendkleid lässt sich dagegen problemlos deutlich mehr Geld ausgeben. Deshalb lohnt es sich, das zweite Outfit von Anfang an in die Hochzeitsplanung einzubeziehen. Wer bereits ein großzügiges Budget für das Brautkleid vorgesehen hat, sollte überlegen, ob ein zweites Kleid wirklich notwendig ist oder ob sich der gewünschte Effekt auch anders erreichen lässt. Vielleicht genügt ein abnehmbarer Überrock. Vielleicht wird das eigentliche Brautkleid durch den Austausch einiger Accessoires abendtauglich. Oder vielleicht findet sich ein wunderschönes Kleid im eigenen Kleiderschrank, das nur auf seinen großen Auftritt wartet. Auch beim Thema Nachhaltigkeit gibt es Möglichkeiten. Ein Outfit, das nach der Hochzeit erneut getragen werden kann, ist oft sinnvoller als ein Kleid, das anschließend jahrelang unberührt im Schrank hängt. Gerade schlichte weiße Kleider oder elegante Jumpsuits lassen sich mit anderen Schuhen und Accessoires durchaus auch zu späteren Anlässen tragen. Und wer sich für ein zweites Brautkleid entscheidet, darf natürlich trotzdem Freude daran haben. Schließlich ist die Hochzeit ein besonderer Tag. Es geht nicht darum, jede Ausgabe zu rechtfertigen, sondern bewusst zu entscheiden, wofür man sein Geld ausgeben möchte.
Der zweite Look muss nicht perfekt sein
Bei all den wunderschönen Hochzeitsbildern auf Instagram und Pinterest entsteht schnell der Eindruck, dass heute alles bis ins kleinste Detail durchgestylt sein muss. Erst das große Kleid, dann der perfekte Outfitwechsel, anschließend der glamouröse Auftritt mit funkelnden Accessoires. Am besten passend zur Dekoration und natürlich zum Farbkonzept der Hochzeit. Dabei darf es auch ganz unkompliziert sein. Vielleicht zieht die Braut einfach ihre bequemen Schuhe an, steckt die Haare hoch und tauscht den langen Rock gegen ein kurzes Kleid. Vielleicht bleibt sie aber auch den ganzen Abend in ihrem Hochzeitskleid und tanzt damit bis zum Morgengrauen. Beides ist völlig in Ordnung. Der zweite Look soll schließlich keine zusätzliche Pflichtveranstaltung werden, sondern Freude machen. Wenn die Braut sich darin wohlfühlt, frei bewegen kann und Lust auf den Stilwechsel hat, erfüllt er seinen Zweck. Wenn sie dafür eigentlich keine Zeit, kein Budget oder schlicht keine Lust hat, ist das genauso legitim. Und seien wir ehrlich: Die Gäste werden sich später wahrscheinlich weniger daran erinnern, ob die Braut um 22 Uhr ein anderes Kleid getragen hat. Viel eher bleiben ihnen die ausgelassene Stimmung, die lustige Rede des Trauzeugen und der Moment in Erinnerung, in dem Onkel Peter beim Versuch, den Discofox zu tanzen, beinahe die Tischdekoration mitgenommen hätte.
Ein zweites Kleid, ein neuer Abend
Der Second Look ist eine schöne Möglichkeit, den Hochzeitstag modisch in zwei Kapitel zu teilen. Erst der große, emotionale Auftritt bei der Trauung, später ein unkomplizierter Look für eine lange Nacht mit Freunden, Familie und jeder Menge Tanzmusik. Dabei muss es weder extravagant noch teuer sein. Entscheidend ist, dass das Outfit zur Braut, zur Feier und zum eigenen Wohlgefühl passt. Wer schon beim Gedanken an ein kurzes Glitzerkleid, einen eleganten Jumpsuit oder einen schwungvollen Rock Lust bekommt, die Tanzfläche zu erobern, sollte sich die Möglichkeit ruhig offenhalten. Und wer lieber im großen Brautkleid bis zum letzten Lied durchfeiert, darf das selbstverständlich ebenfalls tun. Denn am Ende geht es nicht darum, wie viele Kleider eine Braut an ihrem Hochzeitstag trägt. Es geht darum, dass sie sich in jedem einzelnen Moment wie sie selbst fühlt. Und wenn dazu ein zweites Outfit gehört, dann darf es gern auch ein bisschen glitzern.
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