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BRAUTMAID MAGAZIN · Bräuche

Wer fängt ihn – und muss man wirklich mitmachen?

Es gibt diesen Moment auf vielen Hochzeiten: Die Musik wird lauter, die unverheirateten Frauen versammeln sich hinter der Braut und plötzlich stehen zehn Menschen mit erstaunlich unterschiedlichem Körpereinsatz auf einem Quadratmeter. Die Braut zählt herunter, dreht sich um und wirft ihren Strauß über die Schulter. Wer ihn fängt, soll angeblich als Nächstes heiraten.
Der Brautstraußwurf

So weit die Theorie. In der Praxis steht da inzwischen allerdings häufig eine Gruppe von Frauen, die sich fragen, ob sie gerade freiwillig an einem Hochzeits-Orakel teilnehmen oder einfach nur versuchen, nicht von einem Blumenstrauß am Kopf getroffen zu werden. Der Brautstraußwurf gehört zu den bekanntesten Hochzeitstraditionen überhaupt. Gleichzeitig ist er eine dieser Traditionen, die längst nicht mehr für jedes Paar passen. Und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf.

Woher kommt die Tradition eigentlich?

Der Brautstraußwurf hat eine ziemlich lange Geschichte, auch wenn sich die heutige Form erst nach und nach entwickelt hat. In europäischen Hochzeitstraditionen wurde der Braut beziehungsweise ihrer Kleidung früher eine besondere symbolische Bedeutung zugeschrieben. Teile des Braut-Outfits oder persönliche Gegenstände der Braut galten als Glücksbringer. Gäste versuchten teilweise sogar, etwas davon zu ergattern. Das konnte für die Braut ziemlich unangenehm werden und führte schließlich zu verschiedenen Bräuchen, bei denen ein Gegenstand gezielt weitergegeben oder geworfen wurde.

Der Blumenstrauß erwies sich dafür als ziemlich praktische Lösung. Die Braut konnte ihren Strauß behalten beziehungsweise einen separaten Wurfstrauß verwenden und trotzdem die Tradition aufgreifen. Irgendwann wurde daraus das bekannte Ritual: Die Braut wirft den Strauß, eine unverheiratete Frau fängt ihn und soll der Überlieferung nach die Nächste sein, die heiratet.

Wissenschaftlich belastbar ist diese Vorhersage natürlich ungefähr so sehr wie die Behauptung, dass Regen am Hochzeitstag automatisch eine glückliche Ehe garantiert. Der Brautstraußwurf ist ein Brauch, kein Terminplaner für die nächsten Trauungen.

Muss die Braut den Strauß überhaupt werfen?

Nein. Und das ist vielleicht die wichtigste Information rund um diese Tradition. Nur weil etwas seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten auf Hochzeiten gemacht wird, muss es nicht automatisch Teil eurer Hochzeit sein. Wenn euch der Brautstraußwurf gefällt, macht ihn. Wenn ihr ihn albern findet, lasst ihn weg. Wenn ihr die Idee grundsätzlich mögt, aber nicht möchtet, dass dabei ein Teil eurer Gäste in eine Art sportlichen Wettkampf um den Blumenstrauß gerät, verändert das Ritual einfach.

Gerade bei kleineren Hochzeiten kann der klassische Wurf ohnehin etwas merkwürdig wirken. Wenn von 45 Gästen sechs unverheiratete Frauen dabei sind und davon drei lieber keinen Strauß fangen möchten, ist die Situation schnell überschaubar. Auch bei Hochzeiten, bei denen viele Gäste mit Partnerinnen und Partnern kommen, die bereits verheiratet sind oder bewusst auf eine Hochzeit verzichten möchten, passt die klassische Idee nicht unbedingt zur Gruppe.

Und natürlich muss auch niemand teilnehmen, nur weil er unverheiratet ist. Der Beziehungsstatus ist schließlich keine Einladungskarte.

Wann wird der Brautstrauß geworfen?

Den einen perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Häufig findet der Brautstraußwurf am späteren Abend statt, wenn der offizielle Teil der Hochzeit weitgehend vorbei ist und die Party richtig begonnen hat. Nach dem Essen, nach den Reden und vielleicht nach dem Eröffnungstanz passt er deshalb häufig ganz gut.

Der Vorteil: Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Gäste noch da, aber die Stimmung ist bereits lockerer. Der Wurf kann als kleiner Programmpunkt funktionieren, ohne den Ablauf der Trauung oder des Essens zu unterbrechen. Ihr könnt ihn aber genauso gut früher einbauen. Bei einer Sommerhochzeit im Garten kann der Straußwurf beispielsweise am Nachmittag draußen stattfinden. Oder ihr verbindet ihn mit einem Gruppenfoto. Entscheidend ist weniger die Uhrzeit als die Frage, ob der Moment zu eurer Hochzeit passt.

Ein Punkt wird dabei gerne vergessen: Wenn ihr euren echten Brautstrauß werfen möchtet, sollte vorher geklärt sein, ob er dafür überhaupt geeignet ist. Große, schwere oder aufwendig gebundene Sträuße sind für einen Wurf nicht unbedingt gemacht. Ein separater Wurfstrauß ist deshalb oft die unkompliziertere Variante.

Der klassische Brautstraußwurf ist längst nicht die einzige Möglichkeit

Vielleicht mögt ihr die Idee des Rituals, aber nicht die klassische Umsetzung. Dann könnt ihr daraus problemlos etwas Eigenes machen. Eine schöne Variante ist beispielsweise der sogenannte Brautstrauß-Tanz. Dabei stehen nicht alle unverheirateten Gäste gleichzeitig hinter der Braut. Stattdessen kann die Musik starten und zunächst eine größere Gruppe gemeinsam tanzen. Nach und nach verlassen bestimmte Gäste die Tanzfläche, bis am Ende nur noch eine Person übrig bleibt. Ihr könnt den Strauß anschließend dieser Person überreichen.

Das wirkt weniger nach Wettbewerb und mehr nach einem kleinen Hochzeitsspiel. Außerdem kann grundsätzlich jeder mitmachen, unabhängig davon, ob er verheiratet, verlobt oder Single ist. Eine andere Möglichkeit ist, den Strauß überhaupt nicht zu werfen, sondern ihn bewusst weiterzugeben. Die Braut kann eine Person auswählen, der sie den Blumenstrauß überreicht. Das kann eine unverheiratete Freundin sein, muss es aber nicht. Vielleicht ist es die beste Freundin, die Schwester, eine Freundin aus Schulzeiten oder jemand, der das Paar während der gesamten Hochzeitsplanung begleitet hat.

Damit verändert sich auch die Bedeutung. Nicht mehr „Wer heiratet als Nächstes?“, sondern eher „Dieser Mensch ist uns wichtig.“

Was, wenn mehrere Menschen den Strauß fangen?

Auch dafür gibt es keine offizielle Hochzeitsregelbehörde. Wenn zwei Personen gleichzeitig nach dem Strauß greifen, entscheidet ihr einfach selbst, was daraus wird. Vielleicht bekommt eine den Strauß und die andere eine einzelne Blume daraus. Vielleicht landet er auch auf dem Boden und alle lachen kurz darüber.

Übrigens kann genau dieser Moment auf Fotos ziemlich gut funktionieren. Ein Straußwurf ist eine dieser Situationen, bei denen niemand exakt weiß, was in der nächsten Sekunde passiert. Für Hochzeitsfotografen ist das durchaus interessant, vorausgesetzt, niemand wirft den Strauß direkt in Richtung Kamera.

Wenn euch die Tradition wichtig ist und ihr euren eigentlichen Brautstrauß behalten möchtet, ist ein kleiner Wurfstrauß ohnehin sinnvoll. Viele Floristen können einen passenden zweiten Strauß anfertigen, der optisch zum Brautstrauß passt, aber etwas leichter und robuster ist.

Brautstraußwurf ohne „Wer heiratet als Nächstes?“

Gerade moderne Hochzeiten lösen sich zunehmend von der ursprünglichen Bedeutung des Brauchs. Und das kann ziemlich befreiend sein. Ihr könnt den Wurf beispielsweise einfach als kleines gemeinsames Ritual für eure Freundinnen gestalten. Statt die Person, die den Strauß fängt, als „nächste Braut“ zu bezeichnen, könnt ihr daraus einen Glücksmoment machen. Schließlich muss ein Blumenstrauß nicht zwangsläufig eine Hochzeit vorhersagen. Vielleicht steht er einfach für Freundschaft, gute Wünsche oder den nächsten spannenden Lebensabschnitt.

Das ist besonders angenehm, wenn in eurem Freundeskreis ganz unterschiedliche Lebensmodelle vertreten sind. Nicht jeder möchte heiraten, manche sind glücklich allein, andere leben schon seit Jahren in einer Partnerschaft und wieder andere haben gerade ganz andere Pläne. Der Brautstrauß muss daraus keine kleine Partnerbörse machen.

Und wenn niemand mitmachen möchte?

Dann ist das eben so. Tatsächlich kann genau das passieren, besonders wenn ihr keine klassische Hochzeitsgesellschaft habt. Niemand sollte unter den Augen von 100 Gästen dazu gedrängt werden, sich vor der Tanzfläche aufzustellen und nach einem Blumenstrauß zu greifen.

Ihr könnt den Brautstrauß stattdessen jemandem schenken, ihn für die Fotos behalten oder später trocknen und aufbewahren. Manche Paare teilen den Strauß auch auf und geben einzelne Blumen an Menschen weiter, die ihnen wichtig sind. Und falls ihr die Tradition mögt, aber eure Gäste nicht, könnt ihr sie auch einfach anders gestalten. Hochzeitstraditionen sind schließlich kein Pflichtprogramm. Sie sind eher ein Werkzeugkasten. Ihr nehmt, was zu euch passt, und lasst den Rest liegen.

Am Ende ist der Brautstraußwurf deshalb weniger eine Frage von „Macht man das heute noch?“ als von „Wollen wir das eigentlich?“. Wenn die Antwort ja lautet, darf der Strauß fliegen. Wenn die Antwort nein lautet, bleibt er eben in der Hand der Braut. Und wenn ihr irgendwo dazwischen liegt, erfindet ihr eure eigene Variante. Das ist bei einer Hochzeit vermutlich ohnehin die schönere Tradition.

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