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Es gibt bei einer Hochzeit diesen einen Moment, bei dem selbst Gäste, die sich vorgenommen haben, ganz cool zu bleiben, plötzlich lächeln: Die Tür geht auf, zwei kleine Menschen erscheinen mit einem Körbchen in der Hand und sollen möglichst würdevoll Blumen auf dem Weg verteilen. In der Theorie schreiten Blumenkinder feierlich voran. In der Praxis bleibt eines stehen, das andere kippt den kompletten Korb auf einen Quadratmeter und irgendwo winkt eine Oma so begeistert, dass der Einzug kurz unterbrochen wird. Genau deshalb gehören Blumenkinder zu den schönsten Rollen einer Hochzeit. Wer Kinder Blumen streuen lassen möchte, sollte allerdings nicht versuchen, aus ihnen kleine Hochzeitsprofis zu machen. Ein bisschen Vorbereitung hilft, ein bisschen Gelassenheit noch mehr.

Warum streuen Kinder bei einer Hochzeit eigentlich Blumen?

Der Brauch ist älter als die meisten Hochzeits-Trendfarben. Blumen und Blüten standen traditionell für Fruchtbarkeit, Glück und einen guten gemeinsamen Start. Heute spielt diese Symbolik für viele Paare eher eine Nebenrolle. Blumenkinder gehören vor allem deshalb zur Trauung, weil ihr Auftritt leicht, herzlich und wunderbar unperfekt ist. Sie kündigen häufig den Einzug der Braut oder des Brautpaares an und schaffen genau diesen kleinen Moment zwischen gespannter Erwartung und großer Emotion. Ob ihr die Tradition übernehmen möchtet, entscheidet ihr natürlich selbst. Eine Hochzeit funktioniert auch hervorragend ohne verstreute Rosenblätter.

Wie alt sollten Blumenkinder sein?

Ein festes Mindestalter gibt es nicht. Häufig sind Blumenkinder ungefähr zwischen drei und acht Jahren alt. Viel wichtiger als die Zahl im Ausweis ist aber, ob das Kind Lust auf die Aufgabe hat und sich zutraut, vor mehreren Menschen durch einen Raum oder über eine Wiese zu laufen. Ein dreijähriges Kind kann mit Begeisterung losmarschieren, während ein Sechsjähriger beim Anblick von 80 erwartungsvollen Gästen beschließt, dass heute definitiv kein guter Tag für öffentliche Auftritte ist. Beides ist völlig normal. Bei sehr kleinen Kindern hilft es, wenn ein älteres Geschwisterkind mitläuft oder eine vertraute Person in Sichtweite wartet.

Vorher einmal üben – aber bitte keine Generalprobe für Broadway

Zeigt den Kindern vor der Hochzeit in Ruhe, wo sie entlanglaufen und was sie mit den Blüten machen sollen. Ein kurzer Probelauf reicht meistens völlig aus. Wichtig ist vor allem, dass sie wissen, wo sie starten, wohin sie gehen und wer am Ende auf sie wartet. Was ihr nicht braucht, ist ein minutiös choreografierter Auftritt. Kinder reagieren auf Hochzeiten ohnehin gern spontan. Vielleicht wird nur jede dritte Blüte gestreut. Vielleicht werden alle Blüten auf einmal verteilt. Vielleicht wird unterwegs einem Gast ausführlich erklärt, warum das Körbchen rosa ist. Das ist kein Fehler im Ablauf, sondern ziemlich wahrscheinlich der Teil, an den sich später alle erinnern.

Welche Blumen dürfen gestreut werden?

Bevor ihr 20 Liter Rosenblätter bestellt, fragt unbedingt bei Standesamt, Kirche oder Location nach. Nicht überall dürfen echte Blüten gestreut werden. Manche Häuser verbieten sie wegen möglicher Flecken auf Böden, andere möchten draußen keine Kunstblüten oder Konfetti, weil diese anschließend eingesammelt werden müssten. Wenn echte Blüten erlaubt sind, eignen sich zum Beispiel Rosenblätter oder andere weiche Blütenblätter. Alternativen können getrocknete Blüten, kleine Blätter oder – je nach Ort – Seifenblasen sein. Entscheidend ist weniger, was auf Pinterest spektakulär aussieht, sondern was an eurem Trauort tatsächlich erlaubt und praktikabel ist.

Körbchen, Tüte oder kleine Schale?

Das klassische kleine Körbchen funktioniert nach wie vor hervorragend. Es sollte leicht sein und sich von Kinderhänden gut tragen lassen. Zu große Körbe sehen auf Fotos vielleicht beeindruckend aus, sind aber ungefähr so praktisch wie ein Reisekoffer beim Einzug. Auch kleine Stoffbeutel oder leichte Behälter funktionieren. Probiert vorher kurz aus, ob das Kind gleichzeitig laufen, den Behälter halten und Blüten greifen kann. Erwachsene unterschätzen gern, wie viele Aufgaben das plötzlich sind, wenn vorne 80 Menschen schauen.

Was sollen Blumenkinder anziehen?

Blumenkinder müssen nicht aussehen wie Miniaturausgaben von Braut und Bräutigam. Schön ist Kleidung, die zum Stil der Hochzeit passt und in der sich die Kinder wohlfühlen. Helle Kleider, Hemd und Hose, Hosenträger, Blumenkränze oder kleine Accessoires können wunderbar aussehen, solange das Ganze nicht zur Kostümierung wird. Denkt dabei auch an die Jahreszeit. Ein hübsches Kleid bringt wenig, wenn das Kind im Oktober friert. Und Schuhe, in denen niemand vernünftig laufen kann, werden spätestens nach der Trauung irgendwo unter einem Tisch verschwinden.

Wer bezahlt die Kleidung der Blumenkinder?

Dafür gibt es keine feste Regel. Wenn ihr eine ganz bestimmte Kleidung verlangt, ist es fair, die Kosten selbst zu übernehmen oder euch zumindest daran zu beteiligen. Wenn die Eltern relativ frei auswählen können und vorhandene Kleidung geeignet ist, lässt sich das unkomplizierter lösen. Am besten besprecht ihr das frühzeitig und offen. Niemand möchte kurz vor der Hochzeit überrascht feststellen, dass für einen zehnminütigen Auftritt ein komplettes Kinder-Festoutfit gekauft werden soll, das nach drei Monaten schon wieder zu klein ist.

Wann laufen die Blumenkinder?

Traditionell laufen Blumenkinder kurz vor der Braut beziehungsweise vor dem Brautpaar in die Trauung ein. Ihr könnt sie aber genauso gemeinsam mit anderen Kindern, Geschwistern oder Trauzeugen einziehen lassen. Bei einer freien Trauung seid ihr ohnehin sehr flexibel. Plant genügend Abstand ein. Wenn die Kinder direkt vor euch laufen, kann es passieren, dass ihr nach wenigen Metern auf eine kleine Blüten-Verkehrsbehinderung auffahrt. Gebt ihnen ein paar Sekunden Vorsprung. Das entspannt den Einzug und sieht meist auch auf Fotos schöner aus.

Was tun, wenn ein Kind plötzlich nicht mehr will?

Dann will es nicht. Und dann ist das vollkommen in Ordnung. Bitte macht aus der Rolle keine Pflichtveranstaltung. Ein Kind, das kurz vor dem Einzug weint oder sich hinter einem Elternteil versteckt, braucht keine Motivationsrede vor versammelter Hochzeitsgesellschaft. Plant einfach vorher einen kleinen Plan B: Ein anderes Kind übernimmt, ein Erwachsener begleitet oder die Blumen bleiben im Körbchen. Die Trauung wird trotzdem stattfinden. Versprochen.

Blumenkinder sind keine Dekoration

So hübsch die Fotos von kleinen Kindern mit Blumenkränzen auch aussehen: Sie sind Gäste und keine beweglichen Dekoelemente. Plant Pausen ein, denkt an Essen, Getränke und Beschäftigung und erwartet nicht, dass ein vierjähriges Kind den gesamten Hochzeitstag in Festkleidung fotogen durchhält. Gerade nach ihrem großen Auftritt dürfen Blumenkinder wieder genau das sein, was sie sind: Kinder. Vielleicht sitzen sie fünf Minuten später unter dem Tisch, haben Grasflecken auf der Hose oder tauschen das Blumenkränzchen gegen eine Portion Pommes. Das ist völlig in Ordnung.

Unser BRAUTMAID-Tipp

Wählt Blumenkinder nicht danach aus, welche Kinder auf Fotos besonders niedlich aussehen könnten. Fragt Kinder, die euch nahestehen und bei denen ihr glaubt, dass sie Freude an der Aufgabe haben. Erklärt ihnen vorher, was passiert, übt den Weg einmal und lasst danach los. Denn der perfekte Blumenkinder-Auftritt ist selten der, bei dem jedes Blütenblatt exakt an der richtigen Stelle landet. Es ist der, bei dem die Kinder stolz, neugierig oder ein bisschen chaotisch ihren Weg gehen. Vielleicht läuft alles nach Plan. Vielleicht auch überhaupt nicht. Aber ziemlich sicher wird jemand sagen: „Habt ihr gesehen, wie süß die beiden da reingelaufen sind?“

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