BRAUTMAID MAGAZIN · Trauung
Das Eheversprechen erneuern: Noch einmal Ja sagen – auf eure Art

Findet zuerst euren eigenen Anlass
Ein runder Hochzeitstag kann eine Gelegenheit sein, ist aber keine Voraussetzung für eine persönliche Zeremonie. Vielleicht möchtet ihr nach einer anstrengenden Zeit bewusst miteinander feiern oder einen damals sehr knappen Hochzeitstag um einen eigenen Moment ergänzen. Sprecht darüber, was ihr euch davon wünscht. Möchtet ihr danken, zurückblicken oder etwas für die kommende Zeit formulieren? Das muss kein dramatischer Neubeginn sein. Wenn nur eine Person eine große Feier möchte und die andere lieber privat bleibt, klärt diesen Unterschied zuerst. Ein Eheversprechen wirkt persönlicher, wenn beide den Rahmen mittragen. Die Überraschung sollte daher eher im liebevollen Detail liegen als in der ungefragten Ankündigung einer öffentlichen Zeremonie.
Unterscheidet freie Feier und kirchlichen Rahmen
Bei einer freien Erneuerung gestaltet ihr einen persönlichen, symbolischen Moment als bereits verheiratetes Paar. Ihr wiederholt damit eure damalige standesamtliche Eheschließung nicht. Wenn ihr eine kirchliche Feier oder einen Segen möchtet, besprecht den möglichen Rahmen direkt mit eurer Gemeinde. Die Evangelische Landeskirche in Baden erklärt beispielsweise, dass ein Ehejubiläum Anlass für einen Gottesdienst mit erneutem Versprechen sein kann; das ist ein konkretes kirchliches Beispiel und keine Zusage für jede Gemeinde. Weitere Informationen findet ihr bei den Fragen zur kirchlichen Hochzeit der Landeskirche. Klärt Ort, Gestaltung und Voraussetzungen dort, wo ihr tatsächlich feiern möchtet.
Der Rahmen darf zu eurem heutigen Leben passen
Vielleicht war eure Hochzeit ein großes Fest, und heute wünscht ihr euch nur ein Essen mit wenigen Menschen. Vielleicht ist inzwischen Platz für eine Feier, die damals nicht möglich war. Entscheidet nach euren gegenwärtigen Wünschen, nicht nach einer Pflicht zur Wiederholung. Überlegt, ob ihr allein sein, Familie einbeziehen oder mit Freunden feiern möchtet. Auch Kleidung, Musik und Ort dürfen sich verändern. Die Grundideen einer freien Trauung können Anregungen liefern, ohne dass ihr deren gesamten Ablauf übernehmen müsst. Eine kleine Runde im Garten kann stimmig sein. Ein festlicher Saal ebenso. Der passende Maßstab ist nicht, ob die zweite Feier aufwendiger aussieht als die erste.
Schreibt aus dem gemeinsamen Alltag heraus
Beginnt mit einer konkreten Erinnerung und damit, was ihr heute am anderen Menschen schätzt. Welche kleine Geste trägt euch durch den Alltag? Wann habt ihr euch besonders unterstützt gefühlt? Was möchtet ihr künftig bewusster tun? Persönliche Worte werden greifbarer, wenn sie an Erlebtes anknüpfen. Ihr müsst dabei weder eure gesamte Beziehung erzählen noch Schwierigkeiten öffentlich aufarbeiten. Auch Humor darf vorkommen, solange er niemanden bloßstellt. Unser Beitrag zu persönlichen Eheversprechen hilft beim Finden der eigenen Sprache. Formuliert lieber eine aufrichtige Absicht als ein großes Versprechen, das im wirklichen Leben nur schwer einzulösen wäre. Ihr sprecht schließlich zu einem Menschen, der euch bereits ziemlich gut kennt.
Klärt den Ablauf, ohne die Worte vorwegzunehmen
Ihr müsst eure Texte nicht gegenseitig redigieren. Sprecht aber darüber, wie lang der Moment ungefähr werden soll und ob beide etwas vorlesen möchten. Wer lieber frei spricht, darf das tun; wer seine Worte aufschreibt, muss daraus keinen Gedächtnistest machen. Eine vertraute Person oder eine gebuchte Rednerin kann durch die Zeremonie führen. Klärt mit ihr, welche Geschichten erzählt werden dürfen und welche privat bleiben. Ein einfacher Ablauf mit Begrüßung, persönlichem Rückblick, euren Worten und einem gemeinsamen Abschluss kann bereits reichen. Wenn Musik dazugehört, hilft der Beitrag zur Musik bei einer Trauung beim Einordnen der einzelnen Momente. Nicht jede Pause braucht einen weiteren Song.
Kinder und Angehörige bekommen eine Einladung, keine Pflichtrolle
Gemeinsame Kinder oder andere nahestehende Menschen können etwas vorlesen, Musik auswählen oder einfach dabei sein. Fragt nach ihren Wünschen und gebt ihnen die Möglichkeit, eine Rolle abzulehnen. Sie müssen nicht vor Publikum bestätigen, dass eure Beziehung gelungen ist. Besonders in Patchworkfamilien solltet ihr keine Gefühle oder Zugehörigkeiten voraussetzen. Ein gemeinsames Ritual kann schön sein, wenn alle Beteiligten es möchten und wissen, was geplant ist. Vielleicht überreicht jemand eure alten Ringe, vielleicht werden diese gar nicht eingebunden. Neue Ringe sind ebenfalls keine Voraussetzung. Eure vorhandenen dürfen bleiben, wie sie sind. Der Moment bekommt seine Bedeutung durch eure Entscheidung füreinander und nicht durch eine zusätzliche Bestellung beim Juwelier.
Plant wenige praktische Dinge verlässlich
Auch eine kleine Feier braucht bei Bedarf einen wettergeschützten Ort, passende Sitzplätze und verständliche Informationen für die Gäste. Besprecht mit gebuchten Anbietern den tatsächlichen Umfang, die Zeiten und die Kosten. Wer Fotografie möchte, sollte klären, welche Momente begleitet werden und wie privat die Bilder bleiben sollen. Bei einem Essen entscheidet ihr, ob es Teil der Einladung ist oder ob andere Kostenregelungen vorab offen besprochen werden müssen. Verknüpft den Rahmen gern mit eurem Hochzeitsjubiläum, wenn euch dessen Symbolik gefällt. Es entsteht daraus aber keine Pflicht zu einer zweiten vollständigen Hochzeitsplanung. Häufig wird der Tag persönlicher, wenn ihr nur die Dinge organisiert, die euch tatsächlich etwas bedeuten.
Lasst der Feier eine Bedeutung ohne großen Beweis
Eine Erneuerung kann Zuneigung ausdrücken, Dankbarkeit sichtbar machen und gemeinsame Wünsche benennen. Sie muss niemandem zeigen, dass eure Beziehung einer Bewertung standhält. Wenn zwischen euch schwierige Fragen offen sind, entscheidet gemeinsam, was ihr privat besprechen und was ihr feiern möchtet. Eine öffentliche Ansprache sollte keine Konfliktklärung erzwingen. Vielleicht bewahrt ihr eure neuen Worte anschließend zusammen mit den alten auf und lest sie irgendwann wieder. Vielleicht bleibt vor allem die Erinnerung an einen ruhigen Nachmittag. Beides ist genug. Ihr müsst nicht noch einmal so heiraten wie damals. Ihr dürft heute sagen, warum ihr mit dem Menschen von damals auch den nächsten Teil eures Lebens teilen möchtet.


